Battle of the Boyne

Irland. Im Juli 1690 tobte im idyllischen Tal am River Boyne eine für das damalige Europa sehr entscheidende Schlacht, die selbst bis ins heutige Irland ihre Auswirkungen zeigt. Im altehrwürdigen Oldbridge House nahe Drogheda an der Ostküste Irlands ist zu diesem Thema eine sehr anschauliche Ausstellung zu sehen. Ein Beitrag von Anna Soldan. 

Wenn man vom Eingangsbereich des Olbridge House in Richtung Drogheda schaut, so schweift der Blick über einen Teil der damaligen Schlachtfelder. Heute sind es grüne Wiesen und Felder, die von ein paar wenigen Spazierwegen durchzogen sind. Hier kann man auf vier unterschiedlich langen Wegen zwischen zehn und 50 Minuten an den wesentlichen Stationen des damaligen Schlachtfeldes vorbei spazieren. Außerdem laden die großzügigen Gärten an der Rückseite des Gebäudes mit dem Cafe ebenfalls zu einem Rundgang ein.

Das herrschaftliche Gebäude hat im Erdgeschoss fünf Räume, die für eine vielfältige Ausstellung genutzt werden.

Gleich in der Empfangshalle geht es um die politische Lage um 1690. Anschaulich zeigt sich hier, dass praktisch das gesamte Europa nur einen Feind hatte: König Ludwig XIV in Frankreich, ja genau der, der ziemlich überheblich von sich behauptete: L’Etat c’est moi – der Staat bin ich. Ihm gegenüber stand ein Bündnis von vielen kleineren Staaten, die von Wilhelm III von Oranien zusammen geführt wurde, um den Eroberungsfantasien Frankreichs entgegenzutreten.

Jakob II, kath. König von England (*1633 in London; † 1701 in Saint-Germain-en-Laye), wurde 1689 im Rahmen der Gloriuos Revolution von seinem Schwiegersohn Wilhelm III abgesetzt und ins französische Exil gezwungen. Wilhelm versuchte jetzt, seine neue Position auch dadurch zu festigen, dass er das europäische Bündnis gegen Frankreich unterstütze. Jakob wiederum wollte unbedingt seinen Thron zurück und versicherte sich dazu heimlich der Unterstützung des französischen Königs Ludwig XIV und einiger irischer Anhänger. Daher war der Zusammenschluss mit Jakob für den französischen König Ludwig eine gute Gelegenheit, Wilhelm von dessen Europa-Plänen abzubringen.

Im zweiten Raum wird die Nacht vor der Schlacht dargestellt. Das Heer der Jakobiner hatte mit 24 000 Mann ihr Lager an der Südseite des Boyne bei Donore aufgeschlagen. Das wilhelminische Heer umfasste 36 000 Mann und bezog an der Nordseite des kleinen Flusses bei dem Ort Tullyallen Stellung. In der Ausstellung wird dies mit zwei Heeres-Zelten versinnbildlicht, in denen die jeweiligen Truppenführer ihre Pläne für die Schlacht am nächsten Tag erörterten. Zudem sind einige Waffen und Uniformen zu sehen. Die Regimenter hatten jeweils eigene Farben, Flaggen und Uniformen. Damit sich eine Armee von der anderen unterschied, trugen die Soldanten Wilhelms einen grünen Reisig am Hut, die Kämpfer Jakobs ein Stück weißes Papier.

Der dritte Raum beherbergt großformatige Gemälde und Bilder rund um die Schlacht am Boyne und einige Originalwaffen. Der zentrale Punkt aber ist ein überdimensionales topografisches Modell des Schlachtfeldes. Durch Lasertechnologie werden die Positionen der Truppen angezeigt und der Fortgang der Schlacht in seinen einzelnen Abläufen nachvollzogen. So bekommt man – zusammen mit audiovisueller Unterstützung – eine recht gute Vorstellung davon, was damals in dem überschaubaren Gebiet mit den 60 000 Kämpfern abgegangen ist.

Die Schlacht ist vorbei – aber die Resultate wirken bis in die heutige Zeit. Dies wird im vierten Raum thematisiert. Jakob konnte seinen verlorenen Thron nicht zurückgewinnen und kehrte geschlagen nach Frankreich zurück. Wilhelm erhielt für seinen Sieg Dublin und den Osten Irlands. Allerdings konnte er den Jakobinern keine glaubhaften Friedensbedingungen anbieten und so wurde der Krieg im Westen Irlands fortgesetzt, auch wenn König Jakob bereits im Exil weilte. Aber schließlich mussten die Soldaten Jakobs 1691 bei der Schlacht von Aughrim doch kapitulieren. In den Kapitulationsbedingungen wurden den irischen Katholiken nur beschränkte Garantien zugesprochen, während die Soldaten heimkehren oder nach Frankreich zurück durften.

Im Jahr 1795 (also erst über hundert Jahre nach der Schlacht am River Boyne) wurde in Loughgall, County Armagh, der Oranier-Orden zur Erinnerung an den Sieg des Protestantismus gegründet. Bis heute wird der sogenannte Oranier-Tag am 12. Juli im Gedenken an die Schlacht am Boyne River begangen. Dann marschieren in Nordirland orange gekleidete protestantische Iren durch die katholischen Viertel und es kommt regelmäßig zu schweren Auseinandersetzungen.

Die Anerkennung der Bedeutung der Schlacht spielte aber auch bei den Mehrparteiengesprächen am 13. Oktober 2006 im schottischen St. Andrews eine Rolle. Der damalige irische Taoiseach (sprich: Tischok, Premierminister) Bertie Ahern schenkte dem Parlamentsmitglied Dr. Paisley und dessen Ehefrau Eileen anlässlich ihres 50. Hochzeitstages eine Schale aus Walnussholz. Diese Schale wurde aus einem riesigen Walnussbaum geschnitzt, der an einer zentralen Stelle am Schlachtfeld stand. Im Gegenzug überreichte der nordirische Parlamentsvorsitzende dem Taoiseach die Muskete eines Jakobiner Kavallerieoffiziers, die angeblich bei der Schlacht am Boyne verwendet wurde. Beide Exponate sind in der Ausstellung als Nachbildungen zu sehen.

Bei all den damaligen politischen Wirrungen wird nun klar, wie der Nordirland-Konflikt eigentlich zustande kam und die Schlacht bis heute Auswirkungen hat.

Auf dem Freigelände des Oldbridge House wurde ein Hof mit Stallungen errichtet, hier kann man einige Kanonen, Feldmörser, Karren, Dreibeinen und anderes Kriegszubehör sehen. Da bekommt man ein Gefühl dafür, welchen – im wahrsten Sinne des Wortes – Knochenjob die Soldaten zu bewältigen hatten und welchen Aufwand es bedurfte, um eine Kanone zu bedienen, in Stellung zu bringen und zu transportieren. Allein das französische Geschütz wiegt 1 200 Kilogramm. Mit dem 2,58 Meter langen Geschützrohr werden zwei Kilogramm schwere Kanonenkugeln aus Eisen abgefeuert, die bis zu 2 500 Meter entfernt ins Ziel treffen konnten. Für den Transport wurde die Waffe an einem zweirädrigen Wagen befestigt, der von drei bis vier Pferden gezogen werden musste.

In einem kleinen Kinosaal gibt es einen knapp viertelstündigen, spannend gemachten Film über die Schlacht zu sehen; auch in deutscher Sprache.

Den Abschluss des Besuches bildet der Rundgang im Walled Garden mit einigen Ruinen, Schuppen und viel Grün. Das moderne Café bietet einen ungestörten Blick in diesen Garten und man kann das Erlebte sacken lassen. Insgesamt ein lohnender Ausflug an einem historisch bedeutsamen Ort. Übrigens: wer in den Monaten Juni, Juli und August an einem Sonntag zu Besuch ist, erlebt Live-Demonstrationen inklusive Musketenfeuer und Kavallerie-Manöver. Sozusagen gelebte Historie am Originalschauplatz.

Weitere Einzelheiten unter www.battleoftheboyne.ie.

 

(2011. Text: Anna Soldan. Fotos: Jan O. Deiters)

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