Burren Perfumery

Edle Düfte aus West-Irland. Das malzige Aroma der Whiskey-Destillen, der salzige Geruch im stürmischen Wind an den Küsten, der im Hintergrund wahrnehmbare Duft der Kamine, die mit Torf befeuert werden, Gebratenes aus den Küchen, die erdigen Wiesen nach einem der kurzen Regenschauern – das Repertoire für die Nase ist vielfältig, spannend und abwechslungsreich. Es gibt aber noch einen ganz anderen Aspekt von „Riechen“, den man auf den ersten Blick nicht erwarten würde: Selbst im Burren. Ein Beitrag von Anna Soldan.

Und doch hat sich genau dort ein kleines Unternehmen entwickelt, das edle Düfte herstellt aus den Ingredienzien, die gerade in der direkten Umgebung wachsen und gedeihen. Es ist die Burren Perfumery.

Schon die Anfahrt dorthin gestaltet sich als ein mittleres Abenteuer. Mal sehen wir ein Schild, das relativ vage in eine der drei Fahrtmöglichkeiten zeigt. An den nächsten Kreuzungen jedoch suchen wir vergebens nach einem Tipp zumindest für die grobe Richtung. Der Ort soll Caran heißen. Oder wenigstens in dessen Nähe sein. Dann folgen wieder Straßen, auf denen man sich unwillkürlich fragt, ob man noch in zivilisierten Gegenden ist – einziger Hinweis darauf sind die Strom- und Telefonmasten am Straßenrand. An deren Ende müssen Häuser sein. Und genau so war es – plötzlich und unvermittelt eröffnet sich die Einfahrt zur Burren Perfumery. Farbenprächtig, liebevoll hergerichtet, mit ausreichenden Parkplätzen. Es mutet fast so an, als würde man in der Wüste unvermittelt auf eine Oase stoßen. Einfach toll und gleichzeitig typisch für Irland. Kilometerlang fährt man auf holprigen Straßen durch wuchernde Natur mit verfallenen Steinhäusern und ohne jede Vorwarnung erstrahlt plötzlich ein englischer Rasen mit Palmen und sorgsam gepflanzten Blumenrabatten.

Vor knapp 40 Jahren begann das „Unternehmen Duft“. Ein Mann interessierte sich für Parfüms aus Frankreich, arbeitete mit Mönchen zusammen und versuchte, aus den Blüten und Pflanzen der Umgebung ähnlich gute Duftwässerchen herzustellen. Eigentlich war er eher ein „Alchemist“, der sich weniger um die Verkaufsfähigkeit der Ergebnisse scherte, sondern mehr in seine Experimente verliebt war. Dennoch wollten die Menschen schon damals mehr sehen von dem, was dort geschah. Es gab zwar kein Besuchszentrum, aber das Anwesen wuchs. Als er starb, übernahm dessen Familie die Parfümherstellung.

Vor 9 Jahren jedoch begann eine neue Ära für die Burren Perfumery. Sadie Chowen stürzte sich mit ihrer Familie in Arbeit und Abenteuer zugleich. Ihre Vision: „Wir wollen echte Produkte für irische Frauen schaffen“, betont Sadie und lässt keinen Zweifel daran, dass ihr das gelingt. Dass die Parfüms ohne Zusätze auskommen und zusammen mit dem handwerklichen Niveau erst die hohe Qualität erreichen, ist für die Iren zwar relativ neu, stößt aber auf ungeteilte Anerkennung.

Und ganz wichtig: „Die irische Wirtschaft wuchs beständig und nun hatten auch die Irinnen endlich genügend Geld, um sich etwas Gutes zu tun.“

Es werden praktisch nur die Pflanzen für Seifen und Düfte verwendet, die im Burren wachsen. Allerdings: würde Sadie die benötigte Menge aus diesem sensiblen Kreislauf herausernten, wäre binnen weniger Jahre nichts mehr davon vorhanden. Nicht umsonst ist der Burren ein Naturschutzgebiet. Also wird ein Teil der Pflanzen und Ingredienzien eingekauft. Das Meiste kommt von irischen Feldern und aus biologischem Anbau. Der Lavendel wird aus besonderen Anbaugebieten Frankreichs bezogen und Rosmarin und Thymian beispielsweise kommt aus Spanien.

Und auch die Zusammensetzungen haben sich im Laufe der Zeit verändert. Es entwickeln sich Trends, die Moden wechseln und damit auch das Angebot. Seit Kurzem gibt es eine neue Marke aus dem Hause Burren Perfumery, inspiriert von den Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst mit ihren spezifischen Blüten und Pflanzen. Zwei Jahre wurden hier Rezepte entwickelt, getestet, ausprobiert und eine völlig neue Produktpalette aufgebaut. Der Einsatz hat sich gelohnt.

„Auf diese Weise sind wir Vorreiter in Sachen Natürlichkeit“, fasst Sadie die Rolle ihres Handwerksbetriebes zusammen. Dabei sind die Ziele nicht auf grenzenlose Expansion ausgerichtet. Im Gegenteil. Sobald eine bestimmte Menge in der Herstellung überschritten wird, ist ein Unternehmen in dieser Form nicht mehr steuerbar. Sie wollen klein bleiben, sonst wird es zu kommerziell. Dafür lieber ein bißchen luxuriöser sein. Beispielsweise als Exklusivlieferant mit speziellen Duftnoten für Luxushotels. Denn vor allem anderen geht es um den persönlichen und individuellen Aspekt, die höchste Qualität durch beste Zutaten beinhaltet. „Vom Burren die besten Dinge“. Waren früher die Produkte eher als Mitbringsel und Geschenkartikel angesehen, bewähren sie sich heute eigenständig als qualitativ hochwertige Hautpflege- und Duftkompositionen.

Es ist jeden Tag geöffnet. Die ganze Familie lebt dort und der Nachwuchs geht in einem der Nachbarorte in die Schule. Öfter kommen auch Schulklassen zu einer Besichtigungstour des gesamten Geländes. „Das ist uns ganz wichtig, denn gerade die Kinder in den ersten Schuljahren sind aufnahmefähig, und wer die Zusammenhänge in der Natur versteht, kann sie auch respektieren und damit schützen.“ So ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Leute an diesen Zusammenhängen Interesse haben, auch im regionalen Umfeld.

Wer die Besucher beobachtet, erkennt sofort, wie sie es lieben, an den Fläschchen und Pröbchen zu riechen. Schon einige Meter vor dem Eingang des Ladens umschmeicheln die süßlich-herben Duftschwaden unsere Nase und das steigert sich zu einem Rausch, wenn man durch die Eingangstür getreten ist. Sie werden in dem Laden nur glückliche Gesichter sehen – auch auf den Gesichtern der Verkäuferinnen, die gleichzeitig abfüllen, verpacken, dekorieren und mit wortreichen Erläuterungen die Düfte portraitieren.

Direkt nebenan hat Sadie eine Ausstellung eingerichtet mit einem informativen Film und vielen beeindruckenden Fotos, die selbst kleinste Blüten und Tiere des Burren auf großformatigen Postern zeigen. So ergeben sich Einblicke in die Natur dieser außergewöhnlichen Gegend, die sonst kaum möglich wären. Mit diesem Wissen geht es in den Schau-, Duft- und Tastgarten. Auf schmalen Wegen lernt man die unterschiedlichen Pflanzen kennen. Je nach Jahreszeit empfängt den Besucher hinter den Bruchsteinmauern eine bemerkenswerte Vielfalt an Farben, Düften und Formen. Schließlich hält man an der Hütte, in der die Seifenmacherin ihr Reich hat. Ein Blick über ihre Schultern zeigt die Entstehung der wertvollen Stücke, die dann im Laden sorgsam eingepackt werden. Zum Abschluss gibt es Tee oder Kaffee und selbst gebackenen Kuchen im Tea Room. Die logische Konsequenz aus dieser Begeisterung ist der Kauf einiger Produkte, die im Showroom vor den Augen der Kunden verpackt werden. Das fasziniert übrigens auch Kinder, weil es alle Sinne anspricht und es viel zu sehen gibt.

Damit ist die Burren Perfumery weit mehr als ein Touristenzentrum, sondern versteht sich immer mehr auch als idyllischer Ort für Wissensvermittlung.

Von all dem erhalten Sie einen nachhaltigen Eindruck auf der Homepage der Perfumery. Sie wurde sehr sorgfältig erstellt, mit vielen Fotos und Erläuterungen versehen und mit dem Newsletter holt man sich regelmäßig ein Stück Burren nach Hause.

www.burrenperfumery.com

 

(2006, Text: Anna Soldan, Fotos: Jan O. Deiters)

 

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