Ceide Fields vor 5000 Jahren

Ceide Fields

Es ist eine Reise in eine Zeit von vor über 5000 Jahren. Und man sieht fast nichts. Man muss schon genauer hinschauen, die Führung durch das Gelände mitmachen und sich den Tafeln und Ausstellungsstücken in dem pyramidenförmigen Besucherzentrum widmen, um die Tragweite der Entdeckungen hier zu verstehen.

Es waren mindestens an die 300 Menschen, die vor so langer Zeit hier an den atemberaubenden Klippen von Mayo im Norden Irlands lebten. Vielleicht waren es aber auch bis zu 10 000 Menschen, die hier ihre Felder bewirtschafteten und Vieh züchteten. Man nimmt an, dass die Bewohner von Céide Fields zu der Kultur der westeuropäischen Ackerbauern gehören, deren Spuren bis nach Kleinasien zurückverfolgt werden kann. Offensichtlich wanderten sie vor 5 000 bis 6 000 Jahren mit ihren Haustieren und Getreidesorten nach Irland ein. Doch das ist nur eine Vermutung. Ebenso, wohin diese Menschen diese Gegend wieder verließen. Es muss relativ überraschend gewesen sein, denn der Ort war eigentlich ideal für die Besiedelung. Aber das Klima hatte sich damals verändert, es war rund zwei Grad wärmer als in der heutigen Zeit. Dieses Klima – und sicher auch die gewaltigen Rodungsarbeiten der Bewohner – beförderten schließlich das Entstehen von Mooren und damit auch das Wachstum von Moosen. Das Moor entriss den Menschen immer mehr Ackerfläche, es bedeckte bald die ganze Gegend. Das war kein wirklich guter Lebensraum mehr. So siedelte man über einen Zeitraum von mehreren Generationen in andere Gegenden um, die bessere Lebensumstände mit einem fruchtbaren Boden boten. Zurück blieben die zerfallenen Mauern der Häuser – bis sie tausende Jahre später durch Zufall wieder entdeckt wurden.

Getrockneter Torf, seit Jahrhunderten der Brennstoff der grünen Insel, spielt dabei eine Rolle. Der Lehrer Patrick Caulfield aus Belderigg fand 1934 beim Torf stechen im „Céide“, wie sie die Gegend nannten, erstmals Überreste von gleichmäßig verlaufenden Steinmauern. Auch ohne großartige archäologische Vorbildung war ihm klar, dass es ein wichtiger Fund sein könnte. Er versuchte also, die Wissenschaftler in Dublin zu informieren. Doch zu seiner großen Enttäuschung wurde die Entdeckung kaum beachtet. Erst sein Sohn Seamus Caulfield machte dann Ende der 1960er Jahre nach seinem Archäologiestudium die Entdeckung wissenschaftlich richtig bekannt. Und langsam begriffen auch die Wissenschaftler in Dublin, dass sie es hier mit einer kleinen Sensation zu tun hatten.

Im Verlauf der Untersuchungen wurde dann auch klar, um was für eine Sensation es sich handelte. Die gefundenen Reste wurden auf ein Alter von 5 000 bis 6 000 Jahren datiert – somit sogar älter als das irische Newgrange oder die Pyramiden von Gizeh. Hier lebten also Menschen aus der Frühsteinzeit. Die Höfe waren mit Mauern zur Eingrenzung der Felder und als Schutz vor den Kräften des Meeres und des Windes versehen. Die gefundenen Gegenstände lieferten Belege über den Alltag der damaligen Menschen – so entstand ein ziemlich genaues Bild vom Leben in dieser Zeit. Und mit einem Vorurteil musste aufgeräumt werden: Die Menschen der Jungsteinzeit waren keineswegs primitive Halbnomaden, die mit Mühe den Tag bewältigten. Die Gesellschaft bei Céide Fields war hoch entwickelt, bildeten eine differenzierte Gemeinschaft, in der jeder seine bestimmten Aufgaben hatte und hielten sich über viele Generationen an diesem Ort und entwickelten ihn weiter. Dazu wurden Mauern von mehr als 120 Kilometern Länge gebaut, eine viertelmillion Bäume gefällt und deren Wurzeln ausgegraben, es gibt regelmäßige Muster in den abgeteilten Feldern und Anzeichen für eine hochentwickelte Organisation.

 

Das Moor hat zwar damals wohl die Lebensgrundlage der Menschen zerstört, aber gleichzeitig auch die Überreste für die Nachwelt erhalten. Fern von oxidierendem Sauerstoff blieben die Grundmauern, Feuerstellen und Kleingeräte erhalten und erzählen uns heute die Geschichte der Menschen von damals.

Die Ergebnisse sind nicht nur in dem Besucherzentrum zu sehen, das als Pyramide aus Glas, Stein und Metall aus dem Moor herausragt. Hier erhält man einen plastischen Eindruck von dem Leben damals. Auch der geführte Rundgang über die Bretterstege gibt Einblicke in die Fauna und die Art, wie geforscht wurde. Und der Ausblick von den Klippen von Nordmayo (drei mal so lang und eineinhalb mal so hoch wie die „Cliffs of Moher“) sind den Spaziergang auf jeden Fall wert.

Weitere Infos gibt es auf www.museumsofmayo.com.

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