Connemara Heritage Centre

Dan O’Hara – Ein Vermächtnis

Die ausgebaute Straße von Galway direkt nach Clifden scheint fast schon eintönig zu werden. Ständig der weite Blick rechts und links in die braun-grünen Hügel denen man die Höhe von 500 oder 600 Meter kaum zutraut und die mit ihren weich fließenden Konturen in die vereinzelten Wolkendecken eintauchen. Die Tankstelle, die wir von unserer Reise vor drei Jahren noch als lebendigen Mittelpunkt mitten in der Einöde in Erinnerung hatten und die sich direkt an der großen Kreuzung von Maam Cross befand, liegt nur noch verlassen und gleichsam ausgeblutet am Wegesrand. Vielleicht hätten wir doch noch in Galway tanken sollen. Plötzlich ein Stau. Stop and Go. Wie das? Nach einer halben Stunde erreichen wir die Ursache: umfassende Straßenbauten direkt beginnend an einer kleinen Ausfahrt, die von „Dan O’ Hara“ kündet und wo wenige hundert Meter weiter ein großer Parkplatz erkennbar ist. Im Hinterkopf klingelt es bei mir angesichts des Namens – da muss es einen Song geben. Nichts wie raus also und diese Chance auf einen interessanten Ausflugspunkt wahrgenommen. Wir haben es nicht bereut.

1980 mussten Martin und Nora Walsh eine Entscheidung treffen. Sie verfügten über Land in Lettershea, etwa 10 Kilometer von Clifden entfernt. Doch die fantastische Landschaft mit dem grandiosen Blick auf die 12 Bins, den dominierenden Bergen in Connemara, reichte für eine intensive Bewirtschaftung nicht aus. Zum damaligen Zeitpunkt gab es eine Herde Ziegen, Schafe und einige Connemara Ponies. Zwei kleine Cottages zur Vermietung an Urlauber waren auch noch vorhanden. Man musste neue Wege gehen, um eine solide Zukunft für sich selbst und die Angestellten zu schaffen.

Es war ein Glück, das die Ruine eines alten Cottages auf dem Farmgelände stand. Es war einst die Heimat von Dan O’Hara, der durch seine Lebensgeschichte auch in Liedern bekannt geworden war. Dan bewirtschaftete das Land, bis er zur Emigration gezwungen war. Mit seiner Familie machte er sich auf den Weg nach New York. Doch ein Teil seiner Familie überlebte diese Fahrt nicht. Schließlich verkaufte er Streichhölzer in den Kneipen der Stadt, die ihm immer fremd blieb. Die Leute dort bewunderten seinen Charakter und ehrten ihn mit einem Lied, das zu einem Klassiker des Irish Folk geworden ist.

Martin und Nora ergriffen diese Gelegenheit, restaurierten dieses alte Cottage und machten den entscheidenden Schritt in den Touristikmarkt, der in Clifden florierte. Nach intensiven Gesprächen mit den Touristik-Behörden und verschiedenen Initiativen stand der Plan fest: Das Cottage und die Farm von Dan O’Hara restaurieren, ein Crannóg installieren (das ist eine historische Hütte auf einer künstlichen Insel) und ein Café mit kleinem Souvenirladen einrichten. Doch die Entwicklung ging weiter. Hinzu kam eine Ausstellung über die Region mit historischen Elementen und einem kleinen Kino, in dem anschaulich die Entwicklung von Connemara gezeigt werden konnte. Ein Ring-Fort kam dazu und ein örtlicher Archäologe, Michael Gibbons, machte sich ans Werk, dem Boden die Geheimnisse zu entreissen. Im Verlauf der Jahre gab es dafür mehrere Auszeichnungen. Die größte Anerkennung für die Beiden jedoch ist der Erfolg ihrer Führungen.

Martin selbst schwingt sich auf den Trecker und befördert seine Gäste den steilen Weg hinauf zur Farm von O’Hara. Mit Begeisterung und viel Sachkenntnis berichtet er über die Vergangenheit, zählt die amerikanischen Präsidenten mit irischem Stammbaum auf, verrät das Versteck des schwarz gebrannten Whiskeys (in einer Ecke des Kamins – psst, bitte nicht weitersagen), erzählt von dem entbehrungsreichen Leben zu Zeiten des Protagonisten und singt voller Inbrunst das berühmte Lied. Jedem ist klar, dass er das mehrmals am Tag macht. Doch die Besucher nehmen es ihm ab. Bei dieser Gelegenheit gibt es viele Einzelheiten und kleine Geschichten am Rande zu erfahren. So wurde damals von den Landbesitzern eine Fenstersteuer erhoben. Die früheren Löcher wurden per Anweisung vergrößert, so dass mehr Licht in die verräucherten Zimmer kam. Das war sogleich der Anlass für eine Steuer, den die meisten gar nicht zahlen konnten. Die Iren nannten es dann „Daylight-Robbery“. Die Zeiten waren alles andere als romantisch und für die grandiose Natur gab es kaum einen Blick. Dennoch liebte Dan O’Hara seine Heimat, wie die meisten Iren.

Doch die Informationen über O’Hara sind nur ein Teil der Darbietung von Martin. Draußen im feuchten Wind sticht er den Torf. Es ist ein Schnellkurs in Geologie und während man den frischen Torf in der Hand zerbröselt, wird einem klar, wie viele Tausend Jahre dort versiegelt sind. Man sieht die alten Zedernwälder, die heute gar nicht mehr wachsen würden, weil sich das Klima verändert hat. Es ist ein spannender Ausflug in die Vorgeschichte der Region.

 

Danach sollte man sich unbedingt noch den Film an sehen. In knapp 20 Minuten gibt es einen Überblick ab etwa 5.000 v. Chr. bis heute. Und im Ausstellungsraum kann man sich in die Einzelheiten vertiefen. Nach einer Stärkung im kleinen Restaurant ging es dann wieder in den Stau Richtung Clifden.

Wenn Sie mehr wissen wollen: www.connemaraheritage.com.

(Text und Bilder: Jan O. Deiters)

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