Copper Coast Geopark

Copper Coast: Abenteuer Geologie

Zwei Gegenden in Irland vereinen sich in ihrer Gegensätzlichkeit zu einem verblüffend harmonischen Gesamtkonzept und faszinieren immer mehr Reisende jenseits von Grün, Golf und Guinness: Eine unterirdische Höhlenlandschaft im Norden mitten in einer geologisch hochinteressanten Gegend in der Nähe von Enniskillen; die andere an der südlichen Küste zum St. George’s Channel, ganz in der Nähe der geschichtsträchtigen Stadt Waterford. In diesem Beitrag geht es um diesen Copper Coast Geopark als Mitglied der „European Geoparks“.

Die European Geoparks sind ein europäischer Zusammenschluss von mehreren geologisch besonderen Regionen. Forschung auf hohem Niveau, Austausch von Mitarbeitern, gegenseitige Unterstützung beispielsweise in Pädagogik und Edutainment und auch die Förderung der touristischen Aspekte gehören zum Gesamtkonzept. In einem engeren Kreis von Mitgliedern stehen die drei Elemente Eis, Feuer und Wasser im Mittelpunkt. Zum Kapitel Feuer zählt die Copper Coast im Süden Irlands und beispielsweise die Vulkaneifel oder der Geopark Bergstraße Odenwald mit der Grube Messel in Deutschland.

Allen Geoparks ist eines gemeinsam: Am Anfang musste man selbst den Einheimischen noch erklären, was Geologie überhaupt ist, wie sich eine Landschaft entwickelt und warum es unter Umweltgesichtspunkten sehr wohl Sinn macht, sich naturgemäß zu verhalten und die Natur zu schützen. Es geht daher zwar vordergründig um Geologie und Wissenschaft. Vor allem zielt das Konzept aber auf drei Zielgruppen: Schüler, Einheimische und Touristen. Die Kinder lernen etwas über Geologie und erzählen es ihren Freunden und Eltern. So erreicht man auch jene, die nicht direkt bei einem der vielen spannenden Exkurse dabei sind. Das setzt einen Prozess der Bewusstwerdung in Gang. Touristen erleben die grandiose Landschaft begreifen die erdgeschichtlichen und industriellen Zusammenhänge – gerade auch in der Beziehung zu den deutschen Geoparks beispielsweise in der Vulkan-Eifel. Die Bewohner der Region wiederum engagieren sich für ihre Heimat und die Schätze, die sie praktisch vor der Haustüre liegen haben. Das fördert die Gemeinschaft und den Zusammenhalt.

Seit etwa 2004 wird an der Copper Coast eine Geschichte erzählt, die in Stein gemeißelt ist. Sophie Préteseille ist Geologin und besucht die Schulen der Umgebung mit verschiedenen Themen: wie die Erde „arbeitet“ – hier wird ein Vulkan mit Backpulver, Essig und roter Lebensmittelfarbe gebaut. Es gibt interaktive Präsentationen zum Thema Fossilien – die Kids der ersten und zweiten Klasse fertigen sich Abgüsse von Fossilien. Schließlich geht es um die Nutzung fossiler Energie und wie man zu erneuerbaren Energien oder beispielsweise Biodiesel kommt. Letztlich erleben die Schüler die faszinierenden Details der Landschaft und fügen das erworbene Wissen in ihr Weltbild mit ein. Hierdurch entsteht ein Bewusstsein für die Umwelt: Die Schüler trennen Müll, machen überflüssige Lampen aus, sparen Strom und achten auf ihre Umwelt. Übrigens ist der Verkauf von Materialien – beispielsweise Stalagmiten, Fossilien oder Felsstücken – strengstens verboten. In dem Geopark-Konzept geht es darum, die Besonderheiten der Natur bekannt zu machen und zu schützen, nicht um deren Ausverkauf.

„Bevor die Sache hier losging, sprach man kaum über die Ressourcen der eigenen Landschaft. Jetzt sind diese Themen immer öfter in aller Munde.“ Eigentlich ist das Prinzip sehr einfach und nur so können die Menschen erreicht und aktiviert werden. Wenn es hingegen zu kompliziert wird, entsteht Langeweile und damit bestenfalls keine Wirkung. Die Erwachsenen werden natürlich nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil, geführte Wanderungen sind ein perfektes Mittel, um Interesse zu wecken und auch „die Großen“ wieder zum Staunen zu bringen. Jede Ortschaft an der Copper Coast hat dazu Führer ausgebildet, die sich in Geschichte auskennen, viele kleine amüsante und ernste Stories auf Lager haben, die Geologie beschreiben und das perfekte Zusammenspiel der vorhandenen Natur erklären können. Es gibt einen Einführungskurs in Geologie in Zusammenarbeit mit der Cork University. Heute gibt es bereits lange Wartelisten bei der Anmeldung – am Anfang ging es mit knapp 30 Interessierten los. Seit einiger Zeit findet man für unabhängige Erkundungstouren Schautafeln an allen wichtigen öffentlichen Stellen – einfach und verständlich formuliert.

Im Unterschied zu vielen anderen Geoparks kam die Initiative an der Copper Coast in den 90er Jahren nicht von Experten, sondern von den Bürgern selbst. Mehrere Gemeinden schlossen sich zusammen, um den Tourismus zu entwickeln. Die Frage nach den Besonderheiten der Küstenregion klärte sich schnell und heute sehen es die Bewohner als „ihr Baby“ an. Dementsprechend hoch ist das Engagement.

460 Millionen Jahre sind die Überreste von starken Eruptionen auf dem Meeresboden schon alt. Dies führte im Gestein zur Entstehung von Kupfererz, das im 19. Jahrhundert überall an der Küste mühsam abgebaut wurde. An der ganzen Küste sind die Ruinen von Maschinenhäusern und Bergbauhütten zu sehen. Die teilweise sehr steile Küste ist ein idealer Brutplatz für viele Meeresvögel. Andere Passagen sind vorbildliche Sandstrände für ausgedehnte Spaziergänge oder Ausritte direkt am Wasser. Hier einen der Sonnenaufgänge zu erleben, ist ein bleibendes Erlebnis. Weiter im Inland gibt das Moor einen einzigartigen Lebensraum frei für viele seltene Sumpflandvögel, Schmetterlinge und Pflanzen. Die Besiedelung der Gegend begann bereits vor 3.000 Jahren in der Bronzezeit. Es gibt heute noch viele archäologische Stätten, Ganggräber und Grabstätten.

1999 wurde ein geologischer Garten errichtet, um den Besuchern ein Gefühl dafür zu geben, wie alt die Erde ist. Umgekehrt entwickelt dieses Projekt die gesamte Gegend, denn das Engagement mündete in wirtschaftlich interessante Maßnahmen. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt: Mittlerweile haben sich auch grenzüberschreitende Städtepartnerschaften innerhalb der europäischen Geopark-Gemeinde gebildet. Und diese Entwicklung verstärkt sich.

Mit großem Engagement entstand ein Informationszentrum. Wenige Kilometer südlich von Waterford im Ort Bunmahon wurde eine alte Kirche ausgebaut für ausführliche Informationen und als Treffpunkt für Ansprechpartner. Einige der Touren gibt es als Flyer (downloadbar auf der Website) für jene, die auf eigene Faust an der Küste wandern wollen. In den Wintermonaten ist das Besucherzentrum geschlossen. Am Besten vorher mal kurz anrufen unter +353 (0) 51-292828. Oder per E-Mail: info@coppercoastgeopark.com.  

Viele weitere Informationen gibt es im Internet unter: www.coppercoastgeopark.com

Unvermittelt steht man an der Copper Coast vor Kunst – wie hier an einem Parkplatz mit Blick über Dunabrattin Head. Der massive Marmor wurde von der Künstlerin Colette O’Brian aus Kilkenny bearbeitet und mit Mosaiken versehen.

 

Text/Fotos: Jan O. Deiters

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