Dublin im Hostel

Die Alternative für Hotels in Dublin. Klassischer Weise übernachten Irland-Reisende in Hotels, den beliebten B&B’s oder gemütlichen Cottages auf dem Land. Das ist sehr schön, bequem und sicher. Man hat seine Privatsphäre im eigenen Zimmer, das Bad gleicht einer Wohlfühloase für die Seele und das leckere, meist irische Frühstück macht den Start in den Tag perfekt. Darüber hinaus gibt es da noch die sogenannten Hostels, die weltweit wie Pilze aus dem Boden sprießen. Doch wer schläft dort und was genau ist eigentlich ein Hostel? Unsere Autorin Bianca Kaiser hat sich darum gekümmert und ist auf Entdeckungsreise gegangen.

Meine Recherchen haben ergeben, dass es keine eindeutige Definition des Begriffs gibt. Viele beschreiben es als eine Art Jugendherberge oder als besonders günstiges Budget-Hotel. Ich persönlich würde die Hostels als etwas Dazwischen bezeichnen: Eine spannende und kostengünstigere Alternative zu einem Hotel – geeignet vor allem für junge Menschen, die offen sind für neue Bekanntschaften aus der ganzen Welt und nicht viel Geld für Übernachtungen ausgeben können oder wollen. Meine erste Bekanntschaft mit Hostels hatte ich in Australien, als ich als Rucksacktourist für sieben Monate durch das Land reiste. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass die Spannweite zwischen guten und schlechten Hostels sehr groß ist, wobei der Preis nicht immer ein Indiz ist, auf das man sich blind verlassen sollte. Da gab es welche, die teuer waren, man aber mit lebenden und toten Kakerlaken leben musste – andere waren günstig und überraschten mit frischem Brot am Morgen oder tollem Ambiente mit Pool im Hinterhof.

Generell sollte die Privatsphäre nicht Priorität haben, wenn man sich in ein Hostel einmietet. Warum? Weil in der Regel nur Betten vermietet werden und keine Zimmer. Man kann zwischen verschiedenen „dorms“ wählen. Es gibt Zimmer mit zwei, vier, sechs, acht, zehn oder mehr Betten, die sich noch einmal in „female, male oder mixed“ unterteilen. Preislich wird es umso günstiger, je größer die Anzahl der Betten ist. Die Toiletten und Duschen sind traditionell auf den Gängen als Gemeinschaftswaschräume angesiedelt. Es gibt aber auch Zimmer „ensuite“, bei denen ein Bad integriert ist – wobei man dies mit den Mitbewohnern zu teilen hat, sofern man es nicht komplett mit Partner oder Freunden bucht. Der Vorteil (oder Nachteil) daran ist, dass man nie weiß, von welchem Fleck der Welt der nächste Bettnachbar kommt. Es kann nämlich passieren, dass sich weltweite Freundschaften daraus entwickeln. Mir ist es jedenfalls so ergangen, was mich stets dazu bewegt, neue Länder zu erkunden – in diesem Fall kam ich wegen Alan nach Irland. Alan ist Ire und wohnt in Dublin. Wir trafen uns im Jahr 2008 beim Frühstück in einem Hostel in Australien und kamen ins Gespräch – wie das eben so ist in Hostels. Man reist alleine, bleibt es aber nicht lange, wenn man es nicht will. Es entwickelte sich eine echte Freundschaft zwischen uns, die bis heute anhält. Er kam mich in Deutschland besuchen und ich flog zu ihm nach Dublin. Auf meiner letzten Reise begleiteten mich zwei Freundinnen, Ellen und Nina. Aus einem ursprünglichen Wochenend-Besuch bei Alan wurde eine 10-tägige Rundreise durch den Südwesten Irlands – Anfang und Ende in Dublin. Da Alan keinen Platz für uns drei Frauen hatte, was man durchaus verstehen kann, kamen wir in den Genuss, zwei verschiedene Hostels ins Dublin kennen zu lernen: „Avalon House“ und „Generator“.

Die ersten drei Nächte verbrachten wir im Avalon House in der Aungier Street, wo wir gegen Mitternacht im strömenden Regen ankamen. Die Rezeption war zum Glück 24 Stunden geöffnet und generell wirke es sehr ansprechend. Es ist eines der am längsten etablierten Hostels in Dublin (seit 1991) und befindet sich direkt im Stadtzentrum. Es gibt freies Internet und WiFi Zugang, Frühstück, Kino und täglich kostenlose Stadtführungen. An der Rezeption erhält man Karten von Dublin und viele Informationen über mögliche Touren in Irland. Wir hatten einen 4-Bett-Mixed-Dorm zu etwa 20 € pro Person und Nacht gebucht. Zum Glück gab es einen Aufzug, denn unser Zimmer war Nummer 417 im 4. Stock mit den üblichen Doppelstockbetten (bunk beds), bestehend aus Metall mit nur einer einfachen Matratze. Als wir den Raum betraten, sahen wir, dass schon ein Bett belegt war – der Kleidung nach musste es sich um einen Mann handeln – also machten wir uns auf den übrigen breit. Plötzlich ging auch schon die Tür auf. „Hello, my name is José from Argentina!“ Da hatten wir es, ein 1,60 m großer und nur 23 Jahre junger Argentinier mit extrem dunklen lockigen Haaren stand vor uns. Er erzählte uns, dass er am übernächsten Tag abreisen würde, weil er zu einer Konferenz in Dublin war. Okay, welcome and enjoy. Die Toilette und die sehr kleine Dusche wurden stark in Anspruch genommen – besonders in der Nacht, weil der Argentinier irgendwie nicht mit der Toilettenspülung zu recht kam. Zum Thema schlafen empfehle ich an dieser Stelle dringend Ohropax in Reichweite zu haben… Wie stark der Bettnachbar schnarcht merkt man meist erst mitten in der Nacht und wer will sich schon im Dunkeln auf die Suche nach etwas machen, um Schlafen zu können, ohne die anderen zu wecken?

Morgens braucht man eigentlich keinen Wecker, weil immer jemand auf Toilette muss, ein Handy klingelt oder andere Bewohner lautstark über die Flure huschen und an die Türen zu klopfen. Es kann auch passieren, dass ein neuer Mitbewohner, in unserem Fall Joan aus Venezuela, mit seinen 1,95 m morgens nach einem Junggesellenabschied ins Zimmer platzt und Probleme hat, in dem 1,80 m langen Bett eine geeignete Schlafposition zu finden. Ach, da ist man froh, wenn man endlich frühstücken kann. Hier gibt es Toast, Butter, Marmelade, Schokocreme, Müsli und Instant-Kaffee, was zugegeben nicht für jeden etwas ist. Aber auch hier gab es noch einen Trumpf im Ärmel, denn das Frühstück wird hier direkt nebenan im Café Bald Barista eingenommen. Es gibt also die Option, sich ein Sandwich und einen der besten Kaffees Dublins zu kaufen. An der Außenfassade sieht man ein Bild von Buzz Fendall, dem Besitzer des Cafés, dem ich plötzlich gegenüber stand, nachdem ich ein Foto von der Fassade gemacht hatte. Er erzählte mir, dass die Kombination zwischen seinem Café und dem Avalon House perfekter nicht sein könnte und das merkt man auch. Thumbs up!

Auf unserer Rundreise im Südwesten von Irland lernten wir noch andere Hostels kennen. Ich beschränke mich aber hier auf die Kontraste „alt und neu“ in Dublin. Die letzten drei Urlaubstage verbrachten wir im Generator Hostel das erst im Juli 2011 mit über 500 Betten eröffnet wurde. Es ist am Smithfield Square ganz in der Nähe vom Zentrum und direkt neben der Old Jamerson Distellery gelegen. Die Generator Hostels gibt es noch in Berlin, Hamburg, Kopenhagen und London.

Wir traten durch die Tür und konnten es nicht glauben. Das war das beste Hostel, was ich bisher gesehen hatte. Der Empfangsbereich großzügig geschnitten und mit harmonischen Farben gestaltet. Ein riesiger Fernseher hing im offenen Aufenthaltsraum, welcher wie ein rundes Atrium wirkte und mit gemütlichen Sofas, Sessel und Stehtischen ausgestattet war. Generator Hostels sind bekannt für ihre Bar, die sich hier zwischen Aufenthaltsbereich und dem sehr modern und peppig gestalteten Frühstücksbereich befindet. Das ist aber noch nicht alles: Freies WiFi, eine Leseecke, ein Billardraum, begleitet von freien Touren durch Dublin und vieles mehr.

Neben der Rezeption gibt es ein kleines Café wo man Kaffee und wirklich leckere Snacks bekommen kann. Wir waren begeistert, obwohl wir noch nicht einmal unseren 6-Bett-Female-Dorm ensuite gesehen hatten. Das Hostel besitzt zwei Aufzüge, die nur mit Chipkarte funktionieren, was einem ein Gefühl von Sicherheit gibt. Unser Zimmer war Nummer 210 im 2. Stock mit den zugeteilten Betten 3,4 und 5. Alles hatte seine Ordnung, sogar das Informationsblatt war auf Deutsch. Die Betten waren auf den ersten Blick wie immer, aber sehr gut und vor allem praktisch ausgestattet. Als Rucksacktourist sucht man normalerweise sofort nach Steckdosen, die noch nicht von anderen Bewohnern in Benutzung sind, weil Kamera und Handy aufgeladen werden müssen und oft nur eine oder zwei Steckdosen zur Verfügung stehen. Doch hier hatte jedes Bett seine eigenen zwei Steckdosen plus Licht und eine kleine Ablagefläche. Der Raum war gut geschnitten, hatte große Fenster mit Balkon und zwei Spiegel, wovon einer sogar mit Lampen versehen war, wie man es aus Filmen kennt. Die Deckenlampe war nicht einfach nur ein Licht an der Decke, sondern sehr modern gestaltet. Dusche und Toilette waren Hotelstandard – super sauber und alles funktionierte, wie es sollte. Sogar einen extra Schminkspiegel gab es. Jetzt mussten nur noch unsere Mitbewohnerinnen nett sein. Und sie waren es – eine Kanadierin, eine Australierin und eine Irin, welche die Australierin nach zwei Tagen ablöste, machte die Gruppe harmonisch. Okay wir hatten dieses italienische Mädchen im Zimmer, das jeden Abend während wir alle schliefen, ihre Münzen auf dem Boden ausschüttete, um sie anschließend wie Dagobert Duck zu zählen. Das sind Faktoren, mit denen man leben muss. Dafür frühstückten wir für 4 Euro und bekamen richtigen Kaffee und Tee soviel wir wollten, kleine französische Brötchen, Toast, Cheddar Käse, Schinken, Marmelade, Obst und diverse Müslisorten. Im Schnitt zahlten wir auch hier nur 20,00 Euro pro Nacht und Person.

Zum Abschluss stellt sich die Frage, wie man Hostels am besten findet und buchen kann. Das Internet ist voll mit Angeboten – ob direkt im Hostel oder über Portale. Die Buchung ist einfach, allerdings benötigt man oft eine Kreditkarte, über die meist eine Anzahlung des Preises – deklariert als sogenannter „deposit“ vorab abgebucht wird. Die Referenzen über die jeweiligen Unterkünfte sollte man sich in jedem Fall durchlesen, aber nicht immer alles zu 100 Prozent glauben.

Mein Fazit: Das Generator Hostel ist definitiv mein Favorit, weil es das besser ausgestattete Hostel ist und in Kombination mit dem Frühstück preislich überzeugte. Dafür hat Avalon House den Vorteil, dass es näher an Temple Bar und der Grafton Street gelegen ist. Jeder Reisende muss sich überlegen, ob ein Hostel als Option in Frage kommt oder eben nicht. Ich kann Hostels jedenfalls nur empfehlen, wenn selbst das Wohnen auf Reisen zum Erlebnis werden soll.

Es lebe das Abenteuer!

 

(2012, Text und Fotos: Bianca Kaiser)

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