Ein Ire ist Schöpfer der Oscar-Statue

And the Oscar goes to …

Die Welt – vor allem die Welt der Schönen und Reichen – wäre sehr viel ärmer, wenn nicht ein Ire namens Cedric Gibbons die bekannteste Trophäe der Welt, den Oscar, erschaffen hätte.

Dieses Jahr wird der Oscar zum 90. Mal verliehen. Es ist die höchste Auszeichnung der Academy, also der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die ein Filmschaffender in seiner Karriere erlangen kann. Und an der Gründungsgeschichte des Oscar war ein Ire beteiligt. Jener Cedric Gibbons, der 1893 in Dublin geboren wurde, zog mit seinen Eltern um die Jahrhundertwende allerdings nach New York. Dort studierte er später an der Arts Students League und arbeitete dann für seinen Vater, einen Architekten. 1915, im Alter von 22 Jahren wurde er Assistent von Hugo Ballin, des Art Directors der Edison Studios. Es war die Zeit, als an jeder Ecke ein Filmstudio seine Tore eröffnete, aber viele schlossen ihre Tore auch ebenso schnell wieder. Die Edison Studios gehörten zu jenen, die sich nicht lange hielten. 1918 schließlich trifft Gibbons auf Samuel Goldwyn, der zusammen mit Louis B. Meyer die heute berühmten Metro-Goldwyn-Meyer Studios gründet. Sie erkennen schnell die Qualitäten des jungen Mannes und er beginnt seine über dreißig Jahre andauernde Karriere als Art Director bei diesem bedeutenden Studio.

1927 gehörte Gibbons zusammen mit 35 anderen Mitgliedern zu den Gründern der Academy of Motion Pictures Arts and Sciences. Man saß zusammen im Crystal Ballroom des Biltmore Hotels in Los Angeles und diskutierte eifrig über die zu erreichenden Ziele ihrer Organisation. Eins der Ergebnisse war schließlich, dass man irgendwie die herausragenden Leistungen in der Branche feiern wollte. Und so wurde der anspruchsvolle und akribische Gibbons beauftragt, eine majestätisch aussehende Trophäe zu entwerfen, damit ihr nicht zuletzt auch die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit sicher war. Er ging nach Hause und skizzierte die heute so berühmte Figur. Sie stellt einen Kreuzritter dar, der vor sich ein Schwert hält. Er steht auf fünf Filmrollen, die die fünf Sparten der Academy symbolisieren: Schauspieler, Regisseure, Produzenten, Techniker und Autoren. Bis heute ist sein Design bis auf ein paar kleine Änderungen unverändert. Realisiert hat es der Bildhauer George Stanley und geboren war der Oscar. Am 16. Mai 1929 wurde der erste Oscar bei einem Preisbankett im Hollywood Roosevelt Blossom Hotel vergeben und zwar an den deutschen Schauspieler Emil Jannings (ja, genau der, der Marlene Dietrich im „Blauen Engel“ so verfallen war), der den Preis für die beste männliche Hauptrolle in den beiden Filmen The Way of All Flesh und Sein letzter Befehl bekam (und bisher auch der einzige deutsche Schauspieler mit dieser Auszeichnung blieb).

Gibbons selbst war für „seine“ Trophäe 39 Mal nominiert und bekam sie 11 Mal. Er hinterlässt ein filmisches Werk von rund 150 Filmen, an denen er als Art Director beteiligt war. Darunter sind so berühmte Filme wie Menschen im Hotel (1932), Die Kameliendame (1935) oder Anna Karenina (1939), alle jeweils mit Greta Garbo, oder Die Frau von der man spricht (1942) mit Spencer Tracy und Katherine Hepburn, Ein Amerikaner in Paris (1951) oder auch Singin‘ in the Rain (1952) beide mit Gene Kelly.

Privat war Gibbons zweimal verheiratet. Er starb am 26. Juli 1960 in Hollywood. Sicher wäre er überrascht, dass „sein“ Oscar auch heute noch – 90 Jahre nachdem er aus der Taufe gehoben wurde und fast 60 Jahre nach seinem Tod – immer noch so ein weltweites Interesse hervorruft.

Text: Anna Soldan
Fotos: imago stock&people, The Academy Awards.

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