Maiden UniteD – Akustisches Heavy-Metal für Genießer

Grandiose Konzert-Show für Metal-Fans

Maiden UniteD hat stimmgewaltige Sänger zu zwei Konzert-Shows eingeladen und restlos begeistert

Bad Homburg. Ja, tatsächlich, die Kurstadt nördlich von Frankfurt im Hochtaunuskreis war eine der beiden europäischen Städte, in denen das exklusive Metal-Spektakel im Akustik-Gewand stattfand. Gäste aus ganz Europa waren anwesend. Eine wirklich denkwürdige Veranstaltung. Der andere Veranstaltungsort war Amsterdam. Also fanden sich im Kurtheater nicht nur Iron-Maiden-Fans ein. Die niederländische Gruppe „Maiden United“ hatte hochkarätige Gäste eingeladen und präsentierte einen Abend voller Gänsehaut, Fröhlichkeit und akustischem Musikgenuss. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Mehr Infos unter www.maidenunited.com

Schon der Auftakt mit der Gruppe „Snake Bite Love“ – benannt nach einem Musiktitel von Motörhead – zeigte die Richtung, die dieser Abend einschlagen sollte. Bei „No Class“ und „Metropolis“ bis hin zu „The Ace of Spades“ gab es Standing Ovations, die Arme gingen hoch und es wurde mitgesungen.

„Das war das erste Mal, dass ich Melodien bei Motörhead-Liedern erkennen konnte“, drückte einer der Zuhörer seine Hochachtung aus. Andere waren ebenfalls erstaunt darüber, dass man die „harte Musik“ des kürzlich verstorbenen Motörhead-Gründers Lemmy Kilmister so unverstärkt, einfühlsam und doch kraftvoll interpretieren kann.

 

Nach einer kurzen Umbaupause, in der das Kurhaus-Catering leider heillos überfordert war und für Unverständnis sorgte, weil es bereits nach wenigen Minuten kein Bier mehr gab, begann die Show, die in dieser Form nur zwei Mal aufgeführt wird. In Amsterdam und eben in Bad Homburg.

Das Publikum des gut gefüllten Theaters war von Beginn an dabei und genoss die ungewohnt seriöse Atmosphäre. Viele unter ihnen sind mit Iron Maiden groß geworden und so erklärt sich der relativ hohe Altersdurchschnitt. Schließlich wurde die legendäre Band bereits 1975 gegründet und begeistert seither Millionen von Menschen.

Unter den Gastmusikern für dieses einzigartige Projekt war auch Dennis Stratton, der Gitarrist bei Iron Maiden im Jahr 1980, also in den Anfangszeiten der Band. Er wurde vom Publikum ebenso gefeiert wie Doogie White, der als Sänger mit seiner charakteristischen Stimme bei Rainbow und Michael Schenker Group für den balladesken Touch des melodisch-klassischen Hardrocks sorgt. Ebenso gefeiert wurden die Sänger Ralf Scheepers und Frank Beck, die mit ihren unverwechselbaren Stimmen die erstklassigen Musiker bereicherten.

Die Zeit verging wie im Fluge. Nicht nur, weil die beliebten Songs von „Two Minutes to Midnight“ über „Children of the Damned“ bis „Charlotte, the Harlot“ in ihren akustischen Arrangements faszinierten, sondern auch weil der stimmgewaltige Frontmann Damian Wilson den Abend witzig, spontan und mit großer Leidenschaft quasi moderierte.

Nach gut zweieinhalb Stunden durchgängigem Entertainment auf höchstem Niveau hinterließen die Musiker ein seliges Publikum, das völlig neue Facetten ihres Musik-Genres verinnerlicht hatten.

 

Unser Interview mit Joey Bruers

Der Holländer Joey Bruers ist Gründer der Formation „Maiden UniteD“. Ich sprach mit ihm über das außergewöhnliche Projekt „Heavy Metal mit akustischen Instrumenten“ und die große Show, die lediglich an zwei Orten in Europa aufgeführt wurde. Erstaunlich, dieser Aufwand. Aber das Publikum war begeistert. Also: alles richtig gemacht. Ein denkwürdiger Abend! 

DL: Wieso haben Sie die Songs von Iron Maiden für Ihre Formation ausgesucht? Es gibt doch viele gute Bands im melodischen Hard & Heavy-Genre.

JB: Oh ja, da sind viele Künstler, die man für solch ein Akustik-Projekt nutzen könnte. Aber einerseits gehört Iron Maiden zu den weltweit besten Metal-Bands. Andererseits bin ich seit meinem achten Lebensjahr Fan und die Musik bereichert seitdem mein Leben und Arbeiten. Gleiches gilt für meinen Freund Ruud. Unser Sänger Damian ist so begeistert, dass er sogar bei Iron Maiden vorgesungen hatte, als die vor einigen Jahren einen neuen Sänger suchten. Also: Iron Maiden ist tief in unseren Herzen verankert. Aktuell arbeiten wir an neuen Arrangements und immer wieder sind wir überrascht, wie vielschichtig und intensiv die Songs sind, selbst wenn sie schon Jahre alt sind.

DL: Wo liegen die größten Unterschiede zwischen den Originalen und den akustischen Interpretationen?

JB (lachend): Oh, die Frage nach den großen Geheimnissen von Maiden United. Nun, es gibt keine. Es gibt keine Tricks und keine doppelten Böden. Entscheidend ist, dass wir uns ganz tief in die Songs einfühlen. Das kann bei der Hauptmelodie sein, bei einem bestimmten Rhythmus oder bei der Gesangsstimme. Wir nehmen unsere akustischen Instrumente und geben den Songs eine eigene Interpretation.

DL: Wie ist das dann auf der Bühne. Sind die akustischen Arrangements leichter oder schwerer zu spielen?

JB: Das ist tatsächlich etwas völlig anderes. Es gibt weder die riesigen Verstärker-Wände, wir rennen auf der Bühne nicht von einer Seite zur anderen. Im Grunde fühlt man sich im übertragenen Sinne fast nackt. Jeder von uns sitzt mit seinem Instrument auf der Bühne und lässt das besondere Gefühl entstehen. Und obwohl es alles akustisch ist, ist es doch voller Dynamik, Kraft und Seele.

DL: Da stellt sich die Frage, ob zu diesen Konzerten nicht nur die eingeschworenen Maiden-Fans kommen, sondern auch andere Zuhörer, die vielleicht gar nicht nur auf Heavy-Metal fixiert sind?

JB: Ja, das ist schon anders. Aber nicht zu sehr. Natürlich ist die Atmosphäre eine andere. Dennoch ist man mit dem Publikum von der ersten Minute an völlig eins. Im Grunde sind unsere Bühne und der Saal dann wie ein großes Wohnzimmer, in dem sich Menschen zusammenfinden, die ein gutes Konzert erleben wollen. Klar ist aber auch: Die Maiden-Fans kennen die Songs und oft wird jede Textzeile gemeinsam gesungen, die Melodien geradezu zelebriert. Ein großes und für viele sehr emotionales Ereignis.

DL: Bei der aktuellen Show haben Sie Gastmusiker mit auf der Bühne, von denen man bei diesem Genre nur schwärmen kann. Doogie White, Ralf Scheepers, Damion Wilson, Dennis Stratton, und andere. Teils selbst mit weltbekannten Bands wie Threshold, Within Temptation oder Rainbow unterwegs sind oder waren. Wie passen diese unterschiedlichen Charaktere und Persönlichkeiten auf eine Bühne?

JB: Alle haben Iron Maiden im Herzen und sind exzellente Musiker, die ihr Handwerk verstehen. Deshalb ist es für jeden eine Freude, sich auf der Bühne zu treffen.

DL: Welchen Aufwand macht solch eine Show wie die jetzt in Bad Homburg und in Amsterdam?

JB: Leidenschaft ist es vor allem anderen. Und eine gute Vorbereitung. Wenn unser Soundtrack normalerweise vielleicht eine halbe Stunde dauert, so werden wir in Bad Homburg mehr als drei Stunden dafür brauchen. Sogar ein Konzertflügel wird auf die Bühne geschafft. Michael Rehwald hat als Veranstalter hier enorme Arbeit geleistet.

DL: Gibt es noch etwas, was Leser und Zuschauer wissen sollten?

JB: Cheers!

Ich übersetze das jetzt einmal: PROST. 

 

Text und Bilder: Jan O. Deiters

 

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