Malahide Castle

Malahide Castle

In direkter Umgebung nördlich von Dublin befindet sich das Malahide Castle. Es gehört zu den ältesten Schlössern Irlands mit besonderer historischer Bedeutung. Rund 800 Jahre war es das Zuhause der Familie Talbot gewesen.

Die Talbots waren eine normannische Familie, die ursprünglich aus Frankreich stammte. Als Teil der normannischen Invasion von Irland im Jahre 1169 wurden der Familie 1184 Ländereien bei Malahide von Prinz John, dem Sohn Heinrichs II., bewilligt. Und wie jeder „gute“ normannische Ritter baute Sir Richard als Erstes einen kleinen Turm aus Stein. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurde das Schloss stetig erweitert, es wurden weitere Gebäude hinzugefügt, bis das Schloss in der heutigen Form vollendet wurde. Das Schloss war übrigens von seiner Entstehung bis 1975 nur mit einer kleinen Unterbrechung immer im Familienbesitz der Talbots. Lediglich in den Jahren, als Oliver Cromwell Irland erobert hatte (1649-1660), schenkte er es seinem Getreuen Miles Corbet. Doch dieser wurde nach Cromwells Untergang auch gehängt und das Schloss wurde wieder an die Talbots zurückgegeben. Als schließlich 1975 Rose Talbot (1915 bis 2009) das Schloss von ihrem Bruder erbte, konnte sie leider die Erbschaftssteuer nicht zahlen. So bekam Sotheby’s den Auftrag, alles zu versteigern. Vieles der wertvollen Inneneinrichtung ging dann an Sammler aus aller Welt, Schloss und Park erwarb das County Dublin.

Die Führung durch das Haus beginnt in einem dunkel getäfelten Zimmer im ursprünglichen Turm. Über dem Kamin sieht man eine flämische Holzschnitzerei aus dem 16. Jahrhundert, auf der die Krönung der Heiligen Jungfrau dargestellt ist. Dieses Kleinod – das die Familie immer als eine Art Glücksbringer angesehen hat – hat selbst die Jahre im Besitz von Miles Corbet gut überstanden. Denn wie durch ein Wunder tauchte es wieder auf, als die Familie Schloss und Ländereien zurück erhielten.

Der Kamin im Turmzimmer ist jüngeren Datums und wurde um 1812 gebaut, im Empire-Stil, der dem Sieg Nelsons in der Schlacht am Nil folgte und daher viele ägyptische Motive enthält.

Das ursprüngliche Turmhaus war auch zu früheren Zeiten nicht gerade einladend und sehr wohnlich. Der Fußbodenbelag war höchstwahrscheinlich aus gewebten Binsenmatten, also nicht wirklich kuschelig für die Füße. Das Feuer auf dem Herdstein nahe dem Kamin verrauchte zudem den gesamten Raum. Da man wegen der besseren Verteidigung zudem die Fenster möglichst klein hielt, war auch das Angebot an Licht und Frischluft eher gering. Zu allem Überfluss wurde nachts auch noch das Vieh zu dessen Schutz hereingebracht. Damit waren die Familie, Bedienstete und Vieh eng beieinander und konnte sich in den gefährlichen Zeiten gegen Angriffe und Überfälle einigermaßen zur Wehr setzen. Heute ist der Raum im Stil des späten 17. Jahrhunderts mit eleganten Exemplaren von Stühlen aus Eichen-, Walnuss- und Obstbaumholz möbliert.

Übrigens war die Familie Talbot durch Heirat mit James Boswell (*1740 in Edinburgh; † 1795 in London), dem berühmten Begleiter und Biografen von Dr. Samuel Johnson, verwandt. Dieser erarbeitete zwischen 1747 und 1755 das „Dictionary of the English Language“, das bis heute alle ähnlichen Lexika der englischen Sprache beeinflusst hat. Boswells literarische Papiere wurden im Schloss Malahide in den 20er Jahren entdeckt und befinden sich jetzt in der Universität Yale.

Danach geht es in den Westflügel, dessen Wände eine Stärke von immerhin 180 Zentimetern haben. In den Jahren 1765 bis 1782 wurde dieser Flügel nach einem Feuer vollständig wieder aufgebaut – in dem kleinen Salon schrieb man Briefe und plauderte mit Freunden.

Der gesamte Rundgang ist angefüllt mit Details, ob es nun feinste irische Möbelstücke, Spiegel, Gemälde oder besonders kunstvoll geschnitzte Schreibtische sind.

Einige Räume sind auch so eingerichtet, wie sie damals genutzt wurden: als Umkleidezimmer, als Kinderzimmer (mit einer kleinen Puppe als Beispiel früher deutscher Handwerkskunst) oder als Ess- und Konferenzraum.

Ein Wort noch zu dem grandiosen Park um das Schloss herum. Lord Milo Talbot war der letzte Lord Talbot, der in Schloss Malahide lebte. Er war ein britischer Diplomat, der 1937 seinen Dienst antrat und im Mittleren und Fernen Osten diente. Er war gleichzeitig einer der besten Gärtner Irlands. Er sammelte Pflanzen und Samen aus der ganzen Welt und schuf den rund 80.000 Quadratmeter großen botanischen Garten.

Ach ja, ein Schlossgeist darf schließlich auch nicht fehlen. Er heißt „Puck“ und hat einen eigenen Eingang, unterhalb der Galerie. Er soll nur 1,20 Meter groß sein und spukt vor allem dann, wenn Änderungen vorgenommen werden, mit denen er nicht einverstanden ist. Gerüchten zufolge hatte er seinen bisher letzten Auftritt 1975, als das Schloss samt Inhalt versteigert wurde. Seitdem scheint Puck mit dem aktuellen Stand der Lage einverstanden zu sein. Besucher können sich also unbehelligt von seinen Ausbrüchen in diesem höchst interessanten Umfeld bewegen.

Am Schluss lädt noch das kleine Cafe (hier werden die Sandwiches frisch und vor den Augen der Gäste zubereitet) und der Giftshop ein und danach ein ausgedehnter Rundgang über das weitläufige Gelände.

Infos: www.malahidecastleandgardens.ie

 

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