Midge Ure akustisch

Gefühlvoll und leidenschaftlich.

Midge Ure zeigte, dass Musik zeitlos sein kann, auch wenn sie aus den 80er Jahren stammt.

Midge Ure ist vielen bekannt durch die Band „Ultravox“. Doch ihn darauf zu begrenzen, ist viel zu einseitig. Der Sänger und Musiker aus Schottland war in sehr viel mehr Projekten „zuhause“, als es den meisten bewusst sein dürfte.

„Schon eine einzige E-Mail kann alles verändern, was Du geplant hast“, so der charismatische Sänger. „Ich plane deshalb in gewisser Weise keine Zukunft.“ Das habe er schon früher nicht getan, als er mit „Ultravox“, „Visage“ oder „Thin Lizzy“ die ganz großen Erfolge feierte. „Diese Dinge geschehen und sind nicht planbar.“ Genauso wenig wie „Band Aid“, die er zusammen mit Bob Geldof gründete. Oder dass „Do they know it’s Christmas“ zu den meist verkauften Songs gehört.

O.k., es soll schon noch ein neues Album geben. Und im März/April war er wieder in Deutschland bei „Rock meets Classic“. Aber die wirklich wichtigen Entwicklungen im Leben lassen sich nicht in eine Planung einsperren.

Ob es für ihn einen Unterschied macht, wenn er – wie im Bad Homburger Kulturbahnhof – vor 200 Fans auftritt oder in Stadien vor zehntausenden Menschen? Ein klares „Nein“. „Es ist keine Show, sondern es ist die Darbietung selbst, die Performance an sich.“ So geht es für ihn immer um viel Gefühl und die Freude an der Musik.

Und diese Freude verströmte sich im Kulturspeicher bei zwölf der alten und neueren Songs, die durch die eigenwillige Interpretation sozusagen neues Leben eingehaucht bekamen. Das ist auch der Titel der aktuellen CD: „Breathe Again“. Ein neuer Atemzug, eine neue Sichtweise der hymenhaften Songs. Und das in einer Instrumentierung, die man – gerade bei Elektropopsongs – eher weniger erwartet.

Mandoline, Geige, Gitarre und die prägnante Stimme von Midge Ure reichten aus, um das Publikum in Verzückung zu versetzen. Bei „The Maker“ kam dann noch das Akkordeon dazu. „Vienna“ klang ebenso episch wie im original – nur eben mit handgemachter Musik. Selbst „Fade to grey“ war sofort zu erkennen. Jeder Song war unglaublich intensiv, intim und gefühlvoll und die Musik ging direkt ins Herz.

Das nicht-öffentliche Konzert war praktisch eine Privatvorstellung des Radiosenders harmony.fm, zu der man nur kommen konnte, wenn man eine Eintrittskarte gewonnen hatte. „Wir geben damit besondere Erlebnisse an unsere Hörer zurück“, erklärte Dominik Kuhn vom Sender diese ungewöhnliche Aktion. „Und mit dem Speicher dieses Bahnhofs haben wir eine fantastische Location dafür gefunden.“

Ebenso fantastisch fühlten sich die Besucher, die teils von sehr weit her kamen, um ihr Idol aus früheren Zeiten so hautnah erleben zu können. Anmoderiert wurde der Abend von einer ebenso bekannten Radiostimme: Martin Hecht.

Midge Ure ist ein sympathischer und unprätentiöser Star, der jenseits von Allüren oder Dünkel nahbar und persönlich ist. Für jeden gab es ein freundliches Wort auch bei der anschließenden Autogrammstunde, zu der manch einer der Fans Alben von früher mitgebracht hatten.

Letztlich hatten bei „If I was“ und „All Fall Down“ viele Tränen in den Augen. Ein persönliches Erlebnis, dass sie nicht so schnell vergessen dürften.

Mehr über den Künstler gibt es auf: www.midgeure.co.uk

 

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