Rudolf Heltzel Schmuck aus Kilkenny

Kunstwerke aus Gold, Silber und Edelstein

Es ist ein beeindruckender Lebenslauf eines Deutschen, der die Kunsthandwerkszene Irlands nachhaltig beeinflusst hat. Die irische Regierung entschied sich vor langer Zeit für den Weg in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und wollte ihre Industrie ankurbeln. Das vorhandene Niveau an Qualität, Design und Infrastruktur allerdings entsprach nicht ansatzweise den europäischen Ansprüchen. Auch nicht im Kunsthandwerk. Also mussten Fachleute aus dem Ausland angeworben werden. Das war 1960. Einer dieser „Entwicklungshelfer“ war Rudolf Heltzel.

Der junge Mann hatte große Ziele und einen hohen Qualitätsanspruch an sich selbst und seine Arbeit. „Ich wollte immer nur in die bedeutendsten Werkstätten, dort lernen und Zukunft mitgestalten.“ So brach er zunächst mit den offiziellen Traditionen und machte seine Ausbildung nicht nur als Gold- oder Silberschmied, sondern beides gleichzeitig. Für die Fachwelt völlig unverständlicher Weise auch noch mit besonderer Auszeichnung. Beste Voraussetzungen also für einen erfolgreichen Weg. Doch ohne sein rastloses und neugieriges Wesen, seine Energie und der tiefe Wunsch, Neues zu schaffen – übrigens Attribute, die ihn auch heute noch mit 70 Jahren auszeichnen – wäre dieser außergewöhnliche Lebenslauf so nicht möglich gewesen.

Der Lebensweg von Rudolf Heltzel spricht deshalb für sich. Die Meisterschule für Kunsthandwerk in Berlin war der Start. Dann ging es nach München, er arbeitete beispielsweise am Taufbecken des Doms zu Speyer. Dann drei Jahre Stockholm. Dort lernte er seine Frau kennen. Eva. In Irland wurde er mit offenen Armen empfangen. „Mit 25 Jahren wurde ich eingeflogen und im luxuriösen Shelbourne Hotel untergebracht“, staunt er noch heute. Doch es war keineswegs nur Eitel Sonnenschein. Die Zeiten waren teilweise so problematisch, dass er in Nordirland sein Geld verdienen musste, um die Familie über Wasser zu halten, während eine Angestellte den Laden in Kilkenny beaufsichtigte. Und er war rund 15 Jahre in der ganzen Welt unterwegs. Immer als Gold- und Silberschmied, der Entwicklungshilfe in Sachen Kunsthandwerk leistete. Keine leichte Zeit, trotz aller Begeisterung. Übrig geblieben sind viele Erinnerungen und unvergleichliche Schmuckstücke.

Doch wieso brauchte Irland Unterstützung in Sachen Kunsthandwerk und Design? Wer heute das Angebot sieht – von kitschigen Mitbringseln bis zu hochwertigen Designerstücken – kann das kaum glauben. Doch die Antwort ist so einfach wie typisch irisch. „Kunsthandwerk gehörte immer zu denen da oben“, erklärt Heltzel. Und diese Reichen kamen aus England. Auf der anderen Seite gab es das Alltagshandwerk, das wiederum mit Armut gleichgesetzt wurde. „Es fehlte nach der Unabhängigkeit also eine Mittelschicht, die sich für die schönen Dinge interessierte.“ Im Klartext: Die Produkte der verhassten englischen Oberschicht wurden genauso wenig gewollt wie die der armen, irischen Unterschicht. Damit gab es in der jüngeren Vergangenheit keine wirkliche kunsthandwerkliche Tradition. Deshalb rief die Regierung die „Kilkenny Design Workshops“ ins Leben. Und erst mit dem steigenden Wohlstand setzte sich die Erkenntnis durch, dass diese Dinge doch ganz schön sind.

„Das war damals ein Kulturschock“, erinnert sich Heltzel an die Anfangszeit. „Das Land war richtig arm; auf der gesamten Parade – heute die Prachtstraße – gab es nur zwei Autos, alles andere waren Pferdefuhrwerke.“

Wer heute in Kilkenny über die Straßen schlendert, sieht sich einer modernen und pulsierenden Stadt gegenüber. Alte Fassaden, dichter Verkehr, Jugendliche an der Ecke, Alte am Pub-Eingang, schnuckelige Restaurants und Bistros, kleine Läden, ruhige Gassen, moderne Geschäfte. Es ist diese Mischung von alt und neu, die hier auf jedem Schritt erkennbar ist. Und hinter all dem verbirgt sich eine Szene, die selbst in Irland ihresgleichen sucht: Kunst, Kleinkunst, Kunsthandwerk, Theater, Musik – die Angebote übertreffen alles, was man als Urlauber erwartet. Selbst in den Hotels, wie dem Hibernian oder dem Kilkenny Hotel brummt es gewaltig. So kommt es, dass viele Iren diese Stadt als Kurzreiseziel wählen. Beispielsweise um Hochzeit zu feiern. Oder eine Konferenz abzuhalten. Oder einfach nur für ein Familientreffen. Denn Kilkenny liegt verkehrstechnisch gesehen sozusagen in der Mitte Irlands. Das bedeutet: hier trifft man internationales Publikum genauso wie Leute aus ganz Irland. Praktisch.

Das Haus mit dem Ladengeschäft ist ein typisch georgianisches Haus und wurde 1756 gebaut. Damals waren die Bauprojekte eher überschaubar und man ließ sich Zeit. So wurden immer nur zwei Häuser gleichzeitig gebaut und erst nach deren Verkauf mit dem nächsten Projekt begonnen. So kommt es, dass ganze Straßenzüge immer aus Doppelhäusern zu bestehen scheinen. Das war übrigens eine der wenigen Zeiträume, in der die Menschen in Irland Geld hatten. 1980 kaufte es Rudolf Heltzel – als Ruine. Das Gebäude diente vorher als Behördenarchiv. Auf dem Dachboden fanden sich deutsche Bücher und Noten. Die Überraschung: bis etwa 1948 hatte dort ein deutscher Musiklehrer gewohnt, der zudem als Organist in der Kathedrale tätig war – damals der einzige Deutsche in ganz Kilkenny. So ist das Haus praktisch seit 100 Jahren in deutschem Besitz.

Nun ein Blick in Gegenwart und Zukunft. Christopher Heltzel tritt in die Fußstapfen seines Vaters. Dabei ist er sich der großen Abdrücke bewusst, die für ihn immer mehr Vorbild geworden sind. „Immer wichtiger wird für mich, dieses Erbe zu bewahren – es ist außergewöhnlich!“ Nach seiner Ausbildung war er zwei Jahre in New York, arbeitete in Californien, Stockholm und Bremen. Vor einigen Jahren hat er auch offiziell das Geschäft von seinem Vater übernommen. Auch für Christopher ist dieses eine Herzenssache geworden. So berücksichtigt der 42-jährige neben dem traditionellen Verständnis von Qualität und Design auch zukunftsorientierte Aspekte. Dazu gehört die Positionierung des Namens als Marke. Angesichts großer Markennamen im Schmuckbereich ist das eine echte Aufgabe. „Wir bleiben bei unserem hochwertigen Stil und setzen auf außergewöhnliche Entwürfe.“

Das bedeutet: keine Massenprodukte, keine Standardstücke, keine Nachahmungen. „Es geht immer darum, die Individualität des vorhandenen Steins zu erkennen und zu einem neuen Kunstwerk zu entwickeln“, schwärmt Christopher Heltzel. Schon der Weg eines solchen Steines ist ein Abenteuer für sich. Aus dem Fels gebrochen in Afghanistan, über mehrere Händler auf staubigen Pfaden bis zu den Zwischenhändlern geliefert, irgendwann bei einem Großhändler, der auf Messen oder in kleinen Läden auf Kundschaft wartet. Bis ein Stein bei Heltzels auf der Werkbank liegt, ist es ein weiter Weg. So erzählen die Schmuckstücke am Ende nicht nur gestalterische Geschichten, sondern verkörpern zusätzlich das gesamte Herzblut der beteiligten Menschen in der ganzen Welt.

Und dieses „Herzblut“, diese Begeisterung und diese Ehrfurcht vor diesem Einzelstück führen dann in der Werkstatt vom Entwurf bis zur Präsentation in der Vitrine zu einem funkelnden und beeindruckenden Kunstwerk. Damit ist sozusagen die Berufung umschrieben. Hierzu passt ein Zitat von Oscar Wilde, das heute mehr denn je gilt: „Heutzutage kennen die Leute von allem den Preis – nicht aber den Wert.“ Diesen gilt es für den Familienbetrieb bekannter zu machen. Ein wichtiger Teilaspekt ist dabei bester Service, der gerade für die wachsende Stammkundschaft so bedeutend ist. „Auch Jahre nach dem Kauf wissen wir mit dem Schmuckstück umzugehen“, sind die Beiden sichtlich stolz auf ihre Leistung. Die Geschäftsübernahme durch den Sohn hat für den Vater noch einen weiteren glücklichen Aspekt: Arbeitsteilung. „Ich kann mich zunehmend der Gestaltung neuer Schmuckstücke widmen.“

Schauen Sie doch einfach mal in dem stilvollen Laden vorbei, wenn Sie in Kilkenny sind. 10 Patrick Street. Tel.: +353 56 7721497.

Aktuelle Informationen: www.rudolfheltzel.com

   

Text/Fotos/Repros: Jan O. Deiters

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