Tom Crean Biergenuss

Ein Denkmal für Tom Crean

Tom Crean ist nicht nur auf der Dingle Halbinsel sehr bekannt und ein Held. Anfang des 20. Jahrhunderts war er bei drei der vier Antarktis-Expeditionen dabei. Außerdem betrieb er seinen Pub „The South Pole Inn“ in Annascaul. Heute ist das ein uriger Pub, der vollgepackt ist mit Erinnerungsstücken. Und wie kann man Helden noch ehren? Die Dingle Brewing Company hat ihr Lagerbier nach ihm benannt. So geht Erinnerungskultur auf irisch. 

Es ist ein für irische Verhältnisse sehr warmer Tag und wir sind über den Connor Pass nach Dingle hinein – und hätten die Brauerei fast übersehen. Denn wer bei diesem Brauhaus an ein großes Gebäude mit hohen Silotürmen denkt, liegt falsch. Ein fast unscheinbares kleines Häuschen auf der „Landinsel“ zwischen zwei Straßen birgt das „Besucherzentrum“ der Dingle Brewery. Drinnen ist es angenehm kühl und wir schauen uns die Schautafeln an, die den Brauprozess darstellen. Einige Fotos und Bilder zeigen auch Tom Crean, den berühmten Namensgeber des Bieres. Zudem ein Nachbau des Holzverschlages, in der Crean in der Kälte ausharrte. Aber hier hängen auch einige Bilder, die die Geschichte des alten und liebevoll restaurierten Gebäudes selbst erzählen.

Das Gebäude war ursprünglich eine alte Farm, hier hat es früher Milchwirtschaft gegeben. Die Milch wurde in flachen großen Behältern solange lagert, bis sich die Sahne abgesetzt hatte. Aus dieser frischen Sahne haben die Frauen dann Butter gemacht. Was die Familie nicht selbst verbrauchte, wurde auf den lokalen Buttermärkten verkauft. 1888 kaufte die reiche Familie Slattery aus Tralee das Gebäude und eröffnete dort eine Molkerei. Dadurch wurde fortan in Dingle Käse und Butter produziert und auch verkauft. 1924 schließlich kam Paddy Hogan, Minister für Landwirtschaft, auf den Slogan „Noch eine Kuh, noch eine Sau, noch einen Morgen für den Bauern“. Das war der Startschuss dafür, landesweit Molkereigenossenschaften zu gründen. Die Dingle Creamery hatte einige Zweigstellen auf der Halbinsel. Nach und nach erweiterten sie ihr Kerngeschäft und boten den Bauern auch alles Nötige für ihre Milcherzeugung an. Später kamen noch viele andere landwirtschaftliche Waren hinzu. Sozusagen ein Supermarkt für Bauern; hier bekamen sie alles, was sie für ihre Farm brauchten. Vom Saatgut über Düngemittel bis hin zum Verkauf der Waren sorgte die Dingle Creamery für florierende Geschäfte. Und nebenbei war es auch ein wunderbarer Ort, um sich mit Klatsch und Tratsch aus der Gegend zu versorgen. Selbst im zweiten Weltkrieg lief die Dingle Creamery gut, es wurde alles dran gesetzt, damit das Geschäft mit der Butter sozusagen wie geschmiert lief.

1973 schließlich gab die Regierung die Parole aus, dass alles größer und zentralisierter werden musste. Also weg von den kleinen lokalen Genossenschaften hin zu großen zentralisierten Handels-Kooperativen. Die Dingle Creamery wurde von einer neuen Kooperative mit dem Sitz in Listowel übernommen. Die hatten wenig Ahnung von den Gegebenheiten in Dingle, die Dingle Creamery war nur noch ein Ableger von Vielen. In der Dingle Creamery wurde daraufhin viel Personal abgebaut, das Warenangebot ging zurück, sie waren nur noch ein blasser Abklatsch dessen, was sie früher mal waren. Zwar verkauften sie noch einige Produkte an die Farmer, doch sie bekamen nie mehr den alten Glanz zurück. Irgendwann – keiner weiß es mehr genau – wurde die Creamery ganz geschlossen und das Gebäude verfiel. Bis es 2010 von der Dingle Brewing Company gekauft. Mit der Brauerei zog wieder Leben ein.

Die Dingle Brewing Company braut dort ihr Lagerbier „Tom Crean’s“. Es ist ein leichtes frisches Bier, genau das Richtige, um sich an einem sonnigen und warmen Sommertag zu erfrischen. Und bei jedem anderen Wetter schmeckt es auch sehr gut.

Aber trotzdem hat die Dingle Creamery Spuren hinterlassen: Noch heute gibt es in Dingle einige Pubs mit einer „Creamery Licence“, also einer Molkerei-Lizenz. Das erlaubt den Besitzern, ihren Pub schon früh am Morgen für die Bauern der Gegend zu öffnen. Und das gibt es nur in Dingle zu sehen, schauen Sie mal bei Foxy’s, Currans oder Dick Macs vorbei.

Wer Lust auf mehr Brauerei hat, kann auch eine mehrtägige Tour zu den seit einiger Zeit wieder stark werdenden kleinen unabhängigen Brauereien machen. Die sogenannte „Brewery Hops of Ireland – Microbrewing Tours“ bringt – nicht nur – Bierfans zu acht der kleinen aber feinen Brauereien, die dem großen Bruder Guinness die Stirn bieten. In kleinen Gruppen bringt Touragentin Mia Tobin den Reisenden zu den kleinen Brauereien. Neben der Besichtigung der Brauereien nebst Verkostung steht natürlich auch der Besuch einiger Pubs mit traditioneller irischer Musik auf dem Programm.

Mehr Info zur Brauereitour: www.breweryhops.com

Mehr Info zur Dingle Brewing Company: www.dinglebrewingcompany.com

Text: Anna Soldan, Fotos: Jan O. Deiters

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.