Ulster Folk Park

Reise durch die Zeit

Manchmal bekommt man einfach mehr geboten, als man erwartet hat. So ergeht es den meisten Besuchern des Ulster Folk & Transport Museum in Holywood, wenige Kilometer östlich von Belfast. Das ist nicht nur ein bewirtschaftetes Freilichtmuseum, sondern auch eine enorm umfangreiche Ausstellung mit allem, was Räder hat, auf dem Wasser fährt oder sich in die Luft erheben kann.

Das Freilichtmuseum

Die Zeit vergeht im Sauseschritt und mit ihr werden die Veränderungen immer schneller und tiefgreifender. Die Geschwindigkeit dieser Veränderungen wirkt sich auf den Lebensstil der Menschen aus und gestaltet auch die Landschaft neu. Wer kann sich heute noch vorstellen, wie das Leben vor knapp 100 Jahren war? Was es bedeutete, in zwei kleinen Räumen mit 12 Personen zu leben? Dieses Wissen sollte nicht verloren gehen. Außerdem gab es Traditionen, die Gefahr liefen, vollkommen zu verschwinden. Aus diesen Gründen entschloss man sich 1958 dazu, das Ulster Volks- und Transportmuseum zu gründen. Es galt, die Vergangenheit zu konservieren, aufzuzeichnen und erlebbar zu machen. Mit den Sammlungen und Ausstellungsgebäuden ist so etwas wie ein Protokoll der Lebensweise und der Traditionen der Menschen im Norden Irlands entstanden. So wird die Geschichte des Lebensstils im Ulster des frühen 20. Jahrhundert erzählt. Dabei wird die Wechselwirkung von Mensch und die Welt, in der er lebt deutlich. Das Museum hat seit seiner Gründung Ausstellungsgebäude aus ganz Ulster für den Cultra-Standort erworben. Viele der Gebäude und Exponate befanden sich in einem heruntergekommenen Zustand oder waren vom Abriss bedroht, bevor sie vor Ort kontrolliert abgerissen und am neuen Standort originalgetreu wieder aufgebaut wurden. Hinzu kamen Möblierung und Infotafeln.

Was aber wirklich im Gedächtnis haften bleibt, ist das unmittelbare Erleben der damaligen Lebenssituationen. Rund 50 Ausstellungsgebäude sind derzeit im Museum zu besichtigen. Mittelpunkt dabei ist das kleine Dorfarrangement „Ballycultra Town“ mit Häusern, Werkstätten, Geschäften, Kirchen, einer Bank und einer Schule.

Auch diese Gebäude sind aus ganz Ulster zusammengetragen, aufwändig restauriert und mit vielen Hintergrundinformationen ausgestattet worden.

 

In dem kleinen Eckladen aus dem Jahr 1889 – er stand hundert Jahre lang in Carrickfergus – gibt es heute beispielsweise Süßigkeiten zu kaufen. Er ist typisch für einen städtischen „Laden an der Ecke“ für eine Straße mit Reihenhäusern besserer Qualität aus spätviktorianischer Zeit.

Postoffice, Pub, Fotograf, Bank, Druckerei, Kohlehändler, Kirche oder Landhaus – all das kann man quasi anfassen. Ein Besuch beim Korbflechter ist ebenso spannend wie die landwirtschaftlichen Betriebe aus grauer Vorzeit, in denen Hühner, Gänse und anderes Viehzeug leben. Nach so vielen Eindrücken lockt die große Wiese zum Picknick oder das Café zum Verweilen. Übrigens gibt es ein historisches Taxi, mit dem man die langen Wege abkürzen kann.

Zwischen der Town und den Farmgebäuden liegt das Herrschaftsgebäude „Cultra Manor“.

Hier wird ebenfalls eine bemerkenswerte Sammlung verwaltet. Was immer man an Bildern braucht: hier ist die Chance groß, dass man das Gesuchte auch findet. Kunst, Archäologie, Historisches, Objekte aus anderen Kulturen – die Sammlung steht nicht nur für Studienzwecke zur Verfügung, sondern auch für Publikationen oder Unternehmen, die ihre Firmenvergangenheit forschen wollen. Allein über 50.000 Fotografien von Menschen, Plätzen, Veranstaltungen und Industrien aus dem Irland des 19. und 20. Jahrhunderts geben eine Ahnung von dem Umfang dieser „Ulster Museum Picture Library“. Demnächst soll der repräsentative Bau mit dem fantastischen Blick über die Parklandschaft auf die Bucht vor Belfast wieder für Veranstaltungen und Konferenzen geöffnet werden.

Aktuelle Informationen gibt es auf Ulster Folk and Transport Museum

 

Das Transport-Museum stellen wir übrigens in einem anderen Artikel vor.

Text/Fotos: Jan O. Deiters

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