Ulster Transport Museum

Spektakel für Enthusiasten der Mobilität

Das Ulster Folk & Transport Museum bei Holywood ist ein echtes Spektakel. Wenige Kilometer östlich von Belfast an der A2 zwischen Belfast und Bangor gibt es nicht nur das bewirtschaftete Freilichtmuseum, sondern auch das Transportmuseum. Aber auch diese lapidare Bezeichnung ist viel zu kurz gegriffen. Es ist eine Mischung aus modernem Design, modernster Ausstellungstechnik und zahllosen historischen Exponaten. Und nach einem halben Tag auf dem Gelände stellt man erstaunt fest: man hätte sich noch mehr Zeit nehmen sollen. Hier trifft man auf gelebte Vergangenheit und kann selbst sehr viel erleben.

Die „Irish Railway Galleries“ ist groß und prachtvoll. Original-Dampflokomotiven, Waggons, Reise- und Güterzüge, Zugmaschinen für kleine und große Züge – es ist ein Paradies für Eisenbahnfans. Einige Besucher kommen monatlich vorbei und halten sich einfach ein paar Stunden zwischen den riesigen Triebrädern auf und lassen die Eindrücke auf sich wirken.

Die erste Eisenbahn Irlands verband Dublin mit Kingstown und wurde 1834 in Dienst gestellt. In den folgenden 90 Jahren entwickelte sich das Streckennetz auf bis zu 3.445 Meilen – 1920 war jeder Ort nicht mehr als 10 Meilen von der nächsten Eisenbahnstation entfernt.

 

Die Sammlung zeigt Details der großen viktorianischen Bahnhöfe, zeigt „live“ die legendäre Lokomotive „Maeve“ und erstreckt sich bis zum kleinsten Zwei-Mann-Gleisfahrrad, mit dem die Gleise kontrolliert wurden.

Damit ergibt sich auch ein tiefer Einblick in den damaligen Tourismus. So kamen die Besucher aus England und fuhren mit der Eisenbahn nach Portrush, einem damals sehr beliebten Ferien- und Badeort ganz im Norden. Viele Werbe-Plakate von Reiseveranstaltern und Hotels zeugen von der Vielfalt des Angebots – und die Versprechungen stehen den heutigen Werbesprüchen in nichts nach.

Doch das war noch nicht alles. In einer weiteren Ausstellungshalle ist alles zum Thema Fahrräder und Motorräder zusammengetragen. Es gibt wohl kaum eine andere Transportart, die so vielfältig ist – beginnend mit dem „Hobbyhorse“ von Denis Johnson im Jahre 1818. Zusätzlich zu den Exponaten gibt es einen Blick auf die sozialen Aspekte des Rades: vom Spielzeug der Reichen bis zum Transportmittel des armen Mannes.

Die sich daran anschließende Motorradausstellung birgt weitere Highlights. Beispielsweise die „Marke Eigenbau: Bitza“. So werden scherzhaft die abenteuerlichen Eigenkonstruktionen genannt, die ein bisschen von dem und ein bisschen von dem nutzen. A bit of this, a bit of that. Übrigens wird hier offenbar, wie traditionell die Motorsportszene in Irland ist und mit welcher Begeisterung hier Rennen gefahren werden.

Und wie wurden in den Städten die Menschen transportiert? In Trambahnen – wahlweise mit Pferdeantrieb oder später auch elektrisch. Alles im Original aufgebaut und mit kleinen Geschichten versehen. So muss sich ein weiblicher Fahrgast gegen zwei jugendliche Pöbler verteidigen – und bekommt Hilfe von einem anderen Mann. Zu sehen mit lebensgroßen Puppen in der damaligen Kleidung auf dem Dach einer der Trams.

Wer dann noch nicht genug hat: eine weitere Halle mit Autos aus allen Epochen. Inklusive dem futuristisch anmutenden „De Lorean“, der in Belfast gebaut wurde und im Film „Zurück in die Zukunft“ neue Berühmtheit erlangte.

Bliebe noch zu sprechen von der Schifffahrt, der Fliegerei, den archaischen Transportformen aus der Frühzeit, den Sänften aus dem Mittelalter – und im Jahr 2011 wurde die Titanic in einer überarbeiteten Ausstellung pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum neu präsentiert. Denn die wurde ja bekanntlich in den Docks von Belfast gebaut.

Fazit: ein faszinierender Ausflug, für den man Zeit mitbringen sollte. Und genügend Platz auf der Speicherkarte der Digitalkamera. Den Abend braucht man dann, um die ganzen Eindrücke zu verarbeiten.

Mehr aktuelle Infos auf Ulster Folk & Transport Museum

 

Das lebendige Freilichtmuseum haben wir in einem anderen Artikel vorgestellt.

 

Text/Fotos: Jan O. Deiters

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.